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title Emil van Hauth

Anmerkung zur Malerei

"Bis in neuer Zeit und über freierer

Stirne uns der Geist der Natur, der

fernherwandelnde, wieder Stilleweilend

der Gott in goldnen Wolken erscheinet."

"Wenn man die moderne Malerei unter dem Aspect der handwerklichen Grundlagen betrachtet, zeigt sich, daß die höhere Werkordnung des Kunstschaffens das Transzendente ohnehin mitbringt. Nur durch eine reine Anwendung der Farbe, als Ausdruckszeichen des Geistes und der Schauerfahrung, kann in der Malerei die vollkommene Einheit im Kunstwerk entstehen.

Die Eigenschaften der Farbe sind formend, raumbildend und raumbewegend. Der Maler formt mit der Farbe, d.h. Form und Farbe sind ein Begriff. Die Farbe ist die Form des Malers. Malen ist, wie Cézanna sagt, "ein Denken der Augen". Farbigket entsteht zwangsläufig nach dem ersten hingestrichenen Farbton. Organisch wachsend schreitet die Arbeit fort. Jeder neuaufgetragene Farbton stellt an den nächsten oder an das schon bestehende Ensemble ein präzises Verlangen, das erfüllt werden muß, und zwar immer in gesetzmäßigem Bezug auf den Gesamtplan des Bildes und seine Einhait.

Es gibt immer nur eine Möglichkeit des farbigen Weiterbildens und Weiterwachsens einer miteinander atmenden Farbigkeit, die nicht den Anordnungen des Verstandes- mäßigen gehorcht. Die lebensotwendige Folge des einen aus dem anderen führt zur echten Farbigkeit.

Wie Triebe und Knospen einer Pflanze nach strengen organischen Gesetzen wachsen und notwendig sich ausbilden zu Zweig, Blatt und Frucht, so ist es auch mit der Entstehung und Entfaltung farbiger Gebilde.

Die Grundwahrheit, daß eine chaotische Wirkung eintritt, wenn sich die Farbe nicht mit ihrer bildräumlichen Funktion deckt, erscheint zwar einfach, enthält jedoch das eigentliche Geheimnis des Farbe und der Bildordnung. Sie ist zugleich mit dem Relativitätscharakter des Farbe das Fundament farbiger Formung überhaupt.

Mit Pinsel und Farbe, einer reinen, aber immer wieder neuen Materie, wird ein aus sich wachsendes Gebilde auf der Leinwand verwirklicht. Die Handschrift des Malers ist der höchst- persönliche Ausdruck seines künstlerischen Temperaments. Sie spricht als Formausdruck mit und muß von inspirativer Einfühlung sein. Sie ist nichts Äußerliches, sondern organisch an die Form gebunden, und unterliegt immer feinen, sich unbewußt dem Formerlebnis anpassenden Veränderungen. Das Handwerksmäßige in der Anwendung der bildnerischen Ausdrucksmittel geschieht beim Kunstschaffen durch eine sich instinktiv bildende innere Ordnung der Formwerte, vorausgesetzt, daß der Maler die Mittel souverän beherrscht, einschließlich derjenigen, welche die modernste Malerei experimentiert hat. Alle diese hier beschriebenen Erfordernisse müssen in der Malerei als Handwerk im höchsten geistigen Sinne angesehen werden. Ein planvoll-strenger und glückhafter Einstatz der besten Eigenschaften sowie einer reichen Formphantasie müssen zusammentreffen.

Die Schönheit der modernen Malerei beruht im wesentlichen auf den Wirkungen des farbigen Raumes, der sich in den zwei Abmessungen der Ebene erfüllt und seinem planen Organismus folgend zur Raumverengung neigt. ("Der Raum, den wir verengern, mehr sich weitet." Stefan George)

In originaler Malerei ist es so, daß jeder neue Bildeinfall sein eigenes, nur ihm und seinen Gegebenheiten entsprechendes Formgesetz bildet. Der farbige Flächenraum des Malwerkes ist auch sein formales, d.h. farbiges Gesetz. Die Erfüllung der farbigen Einheit in ihrer letzten Konsequenz ist unerläßliche Voraussetzung, sie ist die Lebensbedingung jedes Kunstwerkes.

Die äußerste Konzentration der farbigen Mittel ist das Kennzeichen des modernen Bildes. Auf einem Arbeitsprozeß, der in eigenartig schöpferischer Energie die Entwicklung und Verwirklichung des meist zuerst embryohaften Bildenfalls darstellt, beruht das Formen während der Arbeit."

Emil van Hauth

Zuletzt aktualisiert: 7 June 2008.

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